Karriere und Bildung

Heinz Mauch am 11. August 2015 um 08:26

oder: Die Möglichkeiten des Zuversichtlichen

Schon der Grossvater hatte diese Stelle bekleidet und gewissenhaft gearbeitet, dasselbe hatte der Vater getan und genau so arbeitet auch der Sohn. Die Arbeit als Portier im Freudenhaus war zwar nicht angesehen, sie brachte jedoch genug Verdienst, um die Familie durchzubringen. Es war eine vielfältige, anspruchsvolle und diskrete Arbeit. Besucht wurde das Freudenhaus von Paaren verschiedenen Alters aus den etwas entfernteren grösseren Orten  meist nur für eine Nacht.

Genau wie der Grossvater und der Vater konnte auch der jetzt aktive Sohn weder lesen noch schreiben. Das war in diesem Beruf auch nicht wichtig. Was man wissen musste, behielt man im Kopf, Zettel waren unnötig. Da kam es, dass der langjährige Geschäftsführer des Etablissements starb und ein Nachfolger gesucht werden musste. Man fand einen jungen, überaus gut ausgebildeten und ambitionierten jungen Mann, der mit seinen innovativen Strategien die Besitzer des Freudenhauses überzeugte. Er wurde eingestellt und begann alsbald mit einer vollständigen Renovation und Neustrukturierung der Liegenschaft. Dann rief er alle Angestellten des Hauses zusammen und erklärte Ihnen, welche Funktion sie in Zukunft innehaben sollten und welche Tätigkeiten damit verbunden seien. So hatte auch der Portier seinen Termin beim neuen Chef. Dieser teilte ihm mit, dass er neben der angestammten Tätigkeit eine Liste darüber zu führen habe, wie viele Paare jeden Tag eintreffen, und wie viele Besuche pro Woche stattfinden. Dazu habe er jedes fünfte Besucherpaar zu befragen, wie sie mit der gebotenen Dienstleistung zufrieden seien und welche Verbesserung aus ihrer Sicht angebracht wären. Die Resultate der Befragungen hätte er dann wöchentlich ihm, dem Chef, vorzulegen.

Unser Portier geriet ins Zittern und stammelte, dass er das alles selbstverständlich gerne tun würde, doch leider könne er, genau wie schon sein Grossvater und sein Vater, weder lesen noch schreiben. Der junge Chef reagierte umgehend und teilte dem Portier mit, dass er nicht noch jemanden extra für die Listen einstellen könne. Er müsse ihm deshalb künden und werden einen Portier suchen, der lesen und schreiben könne. Der Geschäftsführer entliess den Portier und gab ihm noch eine Abfindung, die ihm eine gewisse Zeit helfen würde, bis er wieder eine Arbeit gefunden hätte.

Für unseren Portier brach eine Welt zusammen. Er hatte sich nie vorstellen können, in eine solche Situation zu geraten. Schweigend packte er seine wenigen Sachen und nahm das Geld, das ihm der Chef zum Abschied reichte. Als er das Haus verliess, fragte ihn eines der Zimmermädchen, wer denn nun all die kleinen Reparaturen ausführen werde. Beschädigte oder kaputte Schranktüren, Abflüsse und Bettgestelle hatte er immer rasch und zweckmässig repariert und alles Personal schätzte diese Arbeiten, die v0n ihm einfach so nebenher verrichtet worden waren, jedoch nicht in sein Pflichtenheft gehört hatten. Auf dem Weg nach Hause ging ihm diese Frage durch den Kopf und er dachte sich, ich kaufe mir mit der Abfindung etwas Werkzeug und frage dann und wann nach, ob es im Hause etwas zu reparieren gibt. Vielleicht bringt mir das ja etwas ein und ich gewinne Zeit, bis ich wieder eine Stelle habe.

Im Dorf gab es kein Verkaufsgeschäft für Werkzeug, er müsste mit einem geliehenen Maultier zwei Tage bis in die nächste Stadt reisen, um sich die Werkzeuge zu besorgen. Das mache ich, dachte der Exportier und reiste los. Nach vier Tagen kam er mit einem vollen Werkzeugkasten zurück. Die Leute staunten nicht schlecht, als sie ihn mit der Kiste sahen. Er war kaum richtig zu Hause angekommen, da klopfte es an der Türe. Ein Nachbar stand draussen und fragte ihn, ob er sich einen Hammer ausleihen könne, er hätte keinen und wäre froh … Er erhielt den Hammer und versprach, diesen am nächsten Tag wieder zurück zu bringen. Am nächsten Tag kam der Nachbar wieder und meinte, er würde den Hammer länger brauchen, ob er diesen nicht kaufen könne. Der Nachbar bot einen guten Preis, der die Reise in die Stadt und den Kauf eines Hammers deckten und so überliess ihn unser Exportier diesem Nachbarn. Das sprach sich herum und bald schon tauchten immer mehr Leute aus dem Dorf auf, die Werkzeug benötigten. Manchmal brachten sie es zurück und gaben etwas dafür, meistens kauften sie das Werkzeug zu einem guten Preis. Unser Exportier machte sich Gedanken und beschloss, ein Zimmer frei zu machen und dort die Werkzeuge zu lagern, die er nun schon ziemlich regelmässig in der Stadt einkaufte. Es sprach sich herum, dass man bei ihm gutes Werkzeug kaufen und ausleihen konnte und so kamen immer mehr Leute auch aus den Nachbarorten und kauften bei ihm ein.

Unser Exportier sprach mit dem Schmied und dem Schreiner und brachte beide dazu, bei der Werkzeug-herstellung mitzumachen. Der Schmied machte Hammerköpfe und andere Metallteile und Werkzeuge, der Schreiner produzierte die Stiele und Griffe für die Werkzeuge. Die Beiden wurden immer besser in der Art, wie sie Werkzeuge herstellten und waren froh, dass der Verkauf so reibungslos funktionierte. So musste unser Exportier nur noch für ganz spezielle Sachen in die Stadt reisen. Da er dabei für den Schmied und den Schreiner auch gleich Einkäufe erledigen konnte, fuhr er mit dem Wagen, den sich die Drei teilten.

So kam es, dass alle Bewohner im Umkreis von einer Tagesreise ihre Werkzeuge beim Exportier kauften und der Schmied und der Schreiner Leute einstellen mussten, um der Nachfrage gerecht zu werden. Beim Schmied kamen neben den Werkzeugen noch Schrauben und Nägel hinzu und der Schreiner entwickelte eigene Möbel, die ebenfalls vom Exportier verkauft wurden. Das Geschäft weitete sich aus und gedieh. Nach gut zehn Jahren war aus dem Exportier ein schwerreicher Eisenwarenhändler geworden und Schmied und Schreiner waren in ihrem Metier erfolgreiche Lieferanten. Das hatte dem Dorf Wohlstand gebracht und der Exportier und nunmehrige Eisenwarenhändler beschloss, eine Schule zu stiften, damit die Kinder lesen und schreiben lernen könnten. Dieses Vorhaben wurde von der Gemeindeverwaltung mit Freude zur Kenntnis genommen und nach dem Bauabschluss und dem Bezug wurde ein grosses Fest veranstaltet. Der Bürgermeister hatte das Ehrenbuch der Gemeinde mitgenommen und forderte nach dem Festmahl den Eisenwarenhändler auf, sich darin zu verewigen.

„Nichts täte ich lieber!“, sagte der Eisenwarenhändler, doch kann ich weder lesen noch schreiben, deshalb habe ich diese Schule initiiert.“ Der Bürgermeister stand mit offenem Mund vor dem honorigen Mitbürger und meinte, nachdem er wieder zu Luft gekommen war, „Sie haben ein Industrieimperium aufgebaut, sie verdienen Millionen – und sie können weder schreiben noch lesen …? Da staune ich aber! Das heisst ja, wenn sie auch noch schreiben und lesen könnten, dann hätten sie ja noch viel mehr …“ „Wenn ich in meiner Jugend schreiben und lesen gelernt hätte“, sagte der Millionenunternehmer zum Bürgermeister, „dann wäre ich wohl immer noch Portier im Freudenhaus mein Lieber.“  (Nacherzählung nach einer talmudischen Geschichte, angestossen durch Jorge Bucky, Buch: „Komm ich erzähle dir eine Geschichte“)

Querdenker und Querulanten

Heinz Mauch am 1. Juni 2015 um 10:24

Querdenken ist hip. Nun soll auch an der diesjährigen Suisse Emex dieser Bereich seinen angemessenen Platz erhalten. Mit Karem Albash zeichnet ein profilierter Querdenker für das Emex-Angebot mitverantwortlich.  Im Bericht taucht das Wort „Querulant“ auf. Im Unterschied zum Querdenker ist der Querulant einer, der sich „aus Prinzip ohne höhere Absicht“ quer stellt. „Das braucht weder besondere Fähigkeiten noch ist es geistreich“, meint Albash im Bericht. marktwärts fordert geistreiche Querulanten! (Quelle Marketing & Kommunikation 5/15, S. 58)

Die Etikettenvergabe von „Querdenker“ und „Querulant“ ist so eine Sache. Während ich mich selber als Querdenker bezeichne, finden andere, ich sei ein Querulant und wolle mich einfach aus Prinzip quer stellen.

Immer noch geht es um eine „ideale Welt“. Eine Welt, die möglichst reibungslos funktioniert und die den Menschen möglichst alle Möglichkeiten bietet, sich zu entfalten. War das früher mal der transzendente „Himmel“, so ist es heute die Zeit nach der Pensionierung oder die gelungene Karriere. Einfach die „Orte“, wo man hin will und wo das „gute Leben“ stattfindet. Als Querdenker stelle ich diese Entwürfe in dem Moment in Frage, wo sie „für Alle“ gelten sollen. Man muss die Menschen zu ihrem Glück zwingen. Früher gab es Zwangsbekehrungen und wer nicht wollte, den wollte man auch nicht mehr. Heute laufen wieder ähnliche Programme und das scheint mir kein Zufall zu sein. Eine Welt, die so umfassend den Menschen als nützlich und wertvoll (und damit richtig oder falsch) definiert, so lange er arbeitsmässig (ökonomisch) funktioniert, muss sich nicht wundern, wenn als Gegenentwurf ein ebenso rigoroses System blutig vor Augen führt, wie man mit Querdenkern und Querulanten umgeht.

Es ist ein Spiegel, der reflektiert. Das Falsche im Spiegel reflektiert das Falsche vor dem Spiegel. Die Zerstörung des Spiegels löst gar nichts. Querulanten sind mühsam, ärgerlich und nicht konstruktiv. Querdenker sind optimierte Querulanten. Sie verbessern die Produktivität und damit eine Welt, welche die zeitgemässe Art der Produktivität unterstützt. Wo sind die Querdenker, die fragen, wie man seinen Umsatz und sein Wachstum wirkungsvoll verringern kann. Wie man Leute beschäftigt, die vom Profil her nicht passen. Wo sind die Querdenker, die bereit sind, noch von den Querulanten zu lernen? Ist einer, der sagt, dass er einen Tag in der Woche sein Smartphone nicht einschaltet ein Querdenker? Ein Querulant? Oder einfach ein Trottel, weil er genau an diesem Tag den entscheidenden Input verpassen könnte?

Treue als Marktwert

Heinz Mauch am 25. März 2015 um 17:07

Einmal mehr beschäftigt sich die Publikation „impact“ von publisuisse mit einem grundsätzlichen Thema. Es geht um Treue in Zeiten, wo die Individualisierung weiter voranschreitet und sich der/die Einzelne scheinbar immer unabhängiger von seinen Zeitgenossen mit dem Notwendigen und Nützlichen versorgen kann. Was bedeutet Treue in solchen Zeiten noch?

Treue Markentreue, Kunden, Fans, Kundenbindung

In Zeiten, wo der Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung weiter wächst, in Zeiten der wachsenden Möglichkeiten braucht der Mensch auch Halt und Sicherheit. Treue kann wie ein Anker wirken. (Hintergrundtext zum Thema von Mia Hofmann) Nach der „hintergründigen“, lesenswerten Beschäftigung mit dem Thema geht es dann um Marken und deren Aufbau beziehungsweise deren Pflege im Blick auf den Kunden. Gesucht ist „Markenliebe“ „mögen“ reicht nicht mehr. Der altbackene Begriff Treue wird zu einem Schlüsselwort in Sachen Vermarktung und Werbung. Markenliebe kennt 6 Kategorien: 1. die selbstwertsteigernde; 2. die hedonistische; 3. die innere-Harmonie-erzeugende; 4. die selbstbestimmende; 5. die leistungssteigernde; 6. die bewahrende Markenliebe. Ein Produkt trifft auf eines dieser sechs Motivationsfelder und verstärkt es, deshalb wird es gewählt. Und selbstverständlich kann eine Marke nicht einfach einem dieser Felder zugeordnet werden. Liebe und damit Treue für ein und dasselbe können ganz verschiedene Ursachen haben. (Gesundheit, Erinnerung, Selbstwert etc.)

Der Mensch ist nicht grundsätzlich treu. Er ist treu, weil er davon etwas hat oder sich davon etwas verspricht. Das gilt für Beziehungen genau so wie für Waren und Dienstleistungen. Wie erreicht ein Unternehmen Treue beim Kunden? Diese Antwort ist einfach und schwer zugleich. Unternehmen, die – genau wie Persönlichkeiten – für ihr Angebot hinstehen und authentisch wirken. Unternehmen, die selber davon begeistert sind, was sie anbieten und die sich gerne vom Kunden belehren lassen, was noch alles besser gemacht werden könnte. Unternehmen (ganz gleich ob ganz klein oder ganz gross), die durch ihre Art der Kommunikation Konstanz, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit transportieren und mit Respekt nach innen und aussen ihre Werte vertreten. Unternehmen stehen für mehr als nur für ihr Angebot. In einer immer vernetzteren Welt wird es zunehmend wichtig, sich bewusst zu werden, ob die eigenen Ansprüche und die kommunizierten Werte in der Wertschöpfungskette repräsentiert werden. (Wohlfühlmode hier und Kinderarbeit dort wird zunehmend ein Problem/ Lässig-lockere Dienstleistungen und hoher Druck auf die MitarbeiterInnen bleibt nicht mehr verborgen)

Treue ist im besten Sinne ein konservativer Begriff. Unternehmen und Menschen, die marktwärts leben, üben sich darin, Treue zu ermöglichen. Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit und Offenheit stehen dann für faire, zeitgemässe Strukturen, respektvollen Umgang nach innen (mit sich selber) und nach aussen und stetige Veränderungs-bereitschaft (Innovation, Lernfreude). So macht es Freude, unternehmerisch tätig zu sein und die Kundschaft dankt es einem, weil sie sich nicht einfach still verabschiedet, sondern reklamiert und damit die Chance schafft, Treue zu ermöglichen.

 

Gläserne Decken – Boxenstopp

Heinz Mauch am 25. Februar 2015 um 10:54

Manager zwischen 40 und 50 sind häufig unzufrieden. Viele von ihnen haben den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht und müssen erkennen, dass die berufliche Weiterentwicklung nicht oder kaum mehr so geradlinig weitergeht wie bis anhin. Was tun? Artikel Frankfurter Allgemein Zeitung

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Bild dpa-f.a.z

Der Traum von der Karriere ist eine feste Grösse in unserer Leistungsgesellschaft. Das eigene Selbstwertgefühl wird schon fast durchwegs vom beruflichen Fortkommen bestimmt. Erfolgreiche bestimmen, was wichtig ist, wohin es geht und wie es gemacht wird. Die Medien verbreiten die Geschichten dieser „Macher“ und „Bestimmer“ und zementieren damit den Wert, den diese gesellschaftlich erhalten. Dieses Muster wird dann an die nachwachsende Generation weiter gegeben, damit es die eigenen Kinder dann eben „noch besser haben, als wir es gehabt haben“.

Nur, die Realität ist nicht ganz so eindeutig. Das „Leben“ hält sich oft nicht an die vorgegebenen Prioritäten. Aussehen, Intelligenz, Herkunft tragen oft Mängel in sich, die nur mit viel Aufwand überwunden werden können. Einige schaffen es und sind dann Beispiele dafür, dass es „jede/r“ schaffen kann, wenn sie/er nur will. Und tatsächlich, wir leben in einer Gesellschaft, die Möglichkeiten bietet, wie sie noch nie vorhanden waren. Aus- und Weiterbildungen sind zu einer eigenen Industrie geworden und bieten eine Vielfalt an Möglichkeiten. Der Mensch als Lernwesen von Kindesbeinen an und möglichst bis hin zur Bahre, das eröffnet Möglichkeiten und Einkünfte.

Diese Entwicklung ist nicht nur deshalb anspruchsvoll, weil wir immer unbedingter mehr offizielle Abschlüsse brauchen, um in unseren Leben weiter zu kommen. Sie ist deshalb anspruchsvoll, weil sie den Menschen mehr und mehr funktionalisiert und jeglichen Zweifel „am Ganzen“ rigoros als  Zeit- und damit als Lebensverschwendung taxiert. Die auch dem Menschen innewohnende Eigenschaft, älter zu werden, führt mit zunehmenden Jahren zu ketzerischen Fragen „am Ganzen“ und damit zu Irritationen, was die eigenen Lebensvorstellungen betrifft. Davon betroffen ist nicht nur die Beziehung zu sich selber, sondern Beziehungen grundlegend (Partnerin, Familie, Freunde, Kollegen). Es lohnt sich deshalb, von Zeit zu Zeit einen „Boxenstopp“ zu machen und sich einen Überblick zu verschaffen, wo die „Treiber“, „Hemmer“, „Förderer“ und „Verhinderer“ im eigenen Leben stecken und welche Perspektiven sich da noch auftun könnten.

Mit solchem Verhalten wird die Selbstwahrnehmung geschult und die Fähigkeit zur Distanzierung trainiert (diese taucht im Arbeitsalltag meist als blanker und verletzender Zynismus auf. Marktwärts leben heisst, sich selber und sein Umfeld immer wieder kritisch anzuschauen und dabei die Werte zu entdecken, die für einem selber und die Mitwelt förderlich sind. Wenn Zynismus dann mit der Zeit von einem weiten Humor abgelöst wird, stimmt die Richtung. Und diese muss, genau wie mit dem fachlichen Lernen für den Beruf  „bis zur Bahre“ gepflegt werden.

 

 

 

 

 

Wirtschaft und Wachstum

Heinz Mauch am 22. Januar 2015 um 10:15

Die Einladung zum diesjährigen Symposium „eco-ost“ verheisst eine Auseinandersetzung mit Werten. Etwas provozierend werden die Begriffe „Wachstum“ und „Sünde“ in das Satzgefüge gebracht, das man vielleicht unter der Formulierung „Kann denn Liebe Sünde sein?“ kennt. Udo Lindenberg hat das 1980 erstmals gesungen und damit einigen Erfolg verbucht.

Kann Wachstum Sünde sein

Wirtschaft und Werte, Symposium Universität St. Gallen IHK St. Gallen-Appenzell

Am ausgeschriebenen Forum geht es nicht um Liebe, es geht um Wachstum. Zugegeben, darin investieren viele mehr Energie als in die Lindenbergsche Liebe und für diese Menschen ruft „Wachstum“ schon so etwas wie „Liebesgefühle“ hervor. Und dann der Begriff „Sünde“. Ein moralisches „Unwort“ aus christlichem Umfeld, das ganz generell für „schlecht“ steht. Vergessen ist der Beziehungsaspekt, der im ursprünglichen Wort steckt, nämlich der Kontakt zum Lebensfördernden, wofür in der christlichen Religion die Chiffre „Gott“ gesetzt ist. Das Lebensfördernde wurde vom Personal der christlichen Religion zu oft aktiv zur Kontrollinstanz und zum Be- und Verurteiler erhoben, der aus erhöhter Warte alles sieht und der uns dann streng aber gerecht wieder auf den rechten Weg zurückrichtet. Vor dieser Instanz ist grundsätzlich alles Sünde, noch bevor es erschienen ist. Gute Nacht! Dieser Gott ist an und für sich schon Sünde. Wer nicht (mehr) an ihn glaubt, gewinnt neue Möglichkeiten.

Wachstum kann Sünde sein. Auch ohne veralteten, unreflektiert aufgearbeiteten christlichen Gottesbegriff. Wachstum, das einseitig nur das mehr und immer mehr kennt, kann bedrohlich werden. Ressourcenverbrauch in einem beschränkten System will überlegt sein. Holz, Wasser, Öl, Luft, Humus, Gas … alles, was ist, ist beschränkt, nur Geld kann sich scheinbar unbegrenzt vermehren (ein gefährlicher Irrtum). Wann ist Wachstum keine Sünde? Wenn es …. Besuche doch das Symposium, höre zu, bring dich ein, lerne Menschen und Ansichten kennen und wachse. Es gibt Wachstum, das keine Sünde ist. Oder mit Udo Lindenberg und der Liebe ausgedrückt: „Liebe kann nicht Sünde sein, und wenn sie es wär, es wär mir egal, lieber will ich sündigen mal, als ohne Liebe sein“.

Mobile Marketing – die Trends für 2015

Heinz Mauch am 18. Dezember 2014 um 10:43

Es geht vorwärts. Nicht so schnell, wie es viele gerne hätten, doch immerhin. Smartphones sind allgegenwärtig. Sie gehören heute einfach dazu. Damit eröffnen sich für Anbieter eine Fülle von Möglichkeiten, ihr Angebot immer präziser der gesuchten Kundin, dem gesuchten Kunden zu übermitteln. Was heisst das für 2015?

Wird das Mobile Payment alltäglich? Wie steht es mit der Werbung – immer noch „Mobile First“? Eines ist klar, das Smartphone wird noch zentraler, noch individueller und damit noch interessanter für Anbieter aus allen Bereichen. Die Verschmelzung von Website und App geht weiter, gefragt sind nachvollziehbare Benutzerführungen in visuell ansprechender Umgebung. Verständliche Kommunikation in Sprache und Erscheinung bleibt die Herausforderung. Wer das leistet, gewinnt auch 2015 Kunden.

Hier geht’s zu weiteren Trendnotizen: https://www.haufe.de/marketing-vertrieb/dialogmarketing/diese-mobile-marketing-trends-bestimmen-2015_126_283022.html

Karriere – Erfolg – Reichtum …?

Heinz Mauch am 16. Oktober 2014 um 14:45

Ihnen bedeutet das nicht alles? Sie haben andere Prioritäten?

Ja, dann … machschnellgeld.de/next

Es kann jedoch ja sein, dass Arbeit tatsächlich etwas ist, das wohlhabend macht.

Unsere Anschauung von Arbeit ist tief geprägt von Abneigung. Wenn sich damit nicht das unbedingt notwendige Geld verdienen liesse, dann würde wohl NIEMAND arbeiten. Reich wird man mit gewöhnlicher Arbeit ja sowieso nicht – und wenn doch, dann krampft man 18 Stunden täglich. Unsere Arbeitswelt ist verkommen zum „müssen“ und wer arbeiten will, der muss aufpassen, dass er/sie seine Arbeit auch behalten kann. Und weil das alles so schwierig ist, muss man auf die Balance achten – auf die Work- Life-Balance oder zumindest auf die Lifebalance wo dann Arbeit, Partnerschaft, Familie, Kollegen, Hobbies, freiwilliges Engagement und sonstige Elemente, die das eigene Leben tangieren könnten (Nachbarn, Vereinsmitglieder, Parteifreunde, Topfpflanzen, Bettwäsche etc.) schön ausgeglichen gemanagt werden. Das hält ganz schön auf Trab und muss nach aussen auch souverän aussehen. Erfolgreiche verdienen viel, können sich viel leisten und haben ihr Leben souverän im Griff. Alle, bei denen das nicht so ist, sind Loser, Möchtegerne, Träumer, Naive. Das nennt man Weltanschauung und daraus wird unser Alltag und das ist plötzlich normal und selbstverständlich, genau so wie weibliche Körpermasse, Gewicht, Brustgrössen, Brustumfang und und und …

marktwärts meint – wer es so haben will, kriegt es so. Wenn das Leben nach den trendigen Auslegungen von Karriere – Erfolg und Reichtum bereits alles ist, dann braucht es nicht mehr. Wenn es jedoch sein könnte, dass der Mensch arbeitet, weil er gar nicht anders kann, als zu arbeiten. Und wenn es sein könnte, dass unsere Ansicht von Arbeit grundlegend falsch ist …? Wenn die faulen Nichtstuer ganz einfach Mühe haben mit unserer Art, wie wir Arbeit nach Kriterien, wie sie vor 100 Jahren bereits fragwürdig waren, definieren …? …dann beginnen wir marktwärts zu leben. marktwärts kennt nur die „Arbeitsbalance“ – alles andere ist nicht mal Beilage.

marktwärts – Coachings für Unternehmenslustige

Vom Umgang mit dunklen Seiten

Heinz Mauch am 20. August 2014 um 15:43

Da gab es bis anhin den „Günter“. Dieser Günter war/ist der „Held“ in drei Ratgeberbüchern, er steht für den „inneren Schweinehund“, der immer wieder überwunden werden muss. Günter wohnt in jedem von uns und begleitet uns täglich wohin immer wir gehen. Neu haben wir jetzt auch den „Geri“. Geri steht für die „dunkle Seite“ in uns. Günter und Geri sind Gegenstücke zu einer effizienten, leistungsorientierten Hochglanzgesellschaft, die sich scheinbar völlig frei geben kann, hinter welcher jedoch Ideale stehen, die einfach nicht sehen wollen, was nicht sein darf.

Ist es nicht seltsam, wie in einer hoch sexualisierten Gesellschaft ein paar Nackfötelis immer noch Empörung hervorrufen können? Füdliblutt ist ja an und für sich kaum mehr ein Thema, doch wenn es sich mit gesellschaftlichen Rollen und Weltanschauung verknüpft, dann liegen da immer noch bewegende Geschichten drin. Günter und Geryi wohnen in jedem von uns. Der „innere Schweinehund“, den wir immer wieder überwinden müssen, um weniger zu rauchen, weniger zu essen, uns mehr zu bewegen, aufmerksamer, liebevoller, positiver zu sein etc. Da haben wir alle unser „Kampfzonen“. Das Mittel heisst „Selbstdisziplin“ und verlangt einiges. Wenn wir Glück haben, begegnen wir Menschen, von denen wir uns etwas abgucken können. Die uns beeindrucken mit ihrer Lebensgestaltung.

Es kann sein, dass Günter tatsächlich kein Problem mehr ist, dafür findet Geri umso mehr Nahrung. Die Missbrauchsgeschichten in den Bereichen Schule und Kirche in den letzten Jahren haben deutliche gemacht, dass es da, wo viel von Licht die Rede ist, sehr schattige Bereiche haben kann. So dunkel, dass Gewalt als Missbrauch in Form von Unterdrückung, Ausnützung und direkter physischer Gewalteinwirkung zu einer Art rotem Faden wird, der sich so lange hinzieht, bis Licht darauf fällt. Wir sogenannt moderne Menschen haben uns angewöhnt, das Leben zu fragmentieren. So wie wir es mit Festplatten in Computern tun. Praktisch. Da laufen ganz verschiedene Programme ab ohne einander zu belasten. So leben wir in Parallelwelten,  und vergessen schnell, dass wir keine Computer sind, dass sich Dinge, die wir tun und erfahren vielfältig in uns vernetzen und seltsame Blüten treiben.

Das Dunkle wohnt in jedem von uns. Es lohnt sich, immer mal wieder hinzuschauen, was es da für eine Rolle spielt. Was gibt es in meinem Leben, das ich nie jemanden sagen werde? Das ich lieber für mich behalte? Ganz zuhinterst in diesem Dunkel sitzt das Wissen, dass wir sehr gefährdet sind. Verletzlich, abhängig, angewiesen. Niemand von uns mag das. Wir werden erwachsen, wir werden unabhängig. Selbständig. Vielleicht nicht in allen Bereichen, aber doch dort, wo es in unserer Kultur etwas zählt. Pünktlich, zuverlässig, fleissig, leistungsbereit, umgänglich.

Um uns selber zu schützen, sind wir schnell bereit, auf andere zu zeigen und vergessen dabei immer wieder, dass an dieser Hand, mit welcher wir den Finger auf den Anderen, Bösen, Unmoralischen richten, drei Finger auf uns zurück zeigen. Lebens-Führung hat etwas damit zu tun, am eigenen Dunkel zu arbeiten. Günter ist schon ein ziemlich nerviger Geselle, der immer dann kommt, wenn es gar nicht passt. Geri nervt nicht, Geri ist viel unheimlicher, beängstigender. Es gilt zu lernen, dazu zu stehen. Hinter den eigenen Fähigkeiten auch Grenzen zu erkennen und bei eigenen Erfolgen nicht gleich auf „unbesiegbar“ zu machen. Wer diese Bescheidenheit einübt, verliert vielleicht etwas von seinem möglichen Hochglanz. Er/Sie gewinnt jedoch etwas von dem, was wir als „menschlich“ und „sympathisch“ wahrnehmen.

In einem Erfolgsbuch zum Thema Management aus den Achtzigerjahren bin ich auf den Satz gestossen, dass Erfolg dann erreicht worden ist, wenn es jemandem leichter ums Herz geworden ist, weil er Zeit mir mir verbracht hat. Leichter wird es einem nur, wenn das Gegenüber seine eigenen Schwächen kennt und anerkennt und trotzdem sich selber treu bleibt. marktwärts leben heisst, die dunklen Seiten anerkennen und sich darin zu üben, mit ihnen so umzugehen, dass man selber und die Mitwelt nicht schädigt. Positives Denken beginnt dort, wo die eigene Schwäche und Irrationalität ihren Platz findet, wo der eigene Günter „Schweinehund“ auf ein Gegenüber trifft, das es immer wieder mit ihm aufnimmt und wo „Geri“ oder die „Dunkle Seite“ erfährt, dass er/sie trotz seiner/ihrer Bedrohlichkeit ein Teil des je eigenen Lebens bleibt. Machen wir uns nichts vor! …das fängt einmal mehr bei jedem von uns selber an.

Kraftvolles Sprechen

Heinz Mauch am 2. Juni 2014 um 11:03

Cluetrain Manifest These 8: Sowohl in intervernetzten Märkten, als auch unter intravernetzten Mitarbeitern sprechen die Menschen auf eine neue kraftvolle Art und Weise miteinander.

Die Perikom-Jahrestagung 2014 zum Thema „Social Media-Lösungen für HR und die Mitarbeiterkommunikation“ hat es deutlich gemacht. Das Internet verändert auch in der Form des Intranets die Art, wie Menschen zusammenarbeiten. die Veränderung der Kommunikationskultur in Unternehmen findet statt. Die Arbeitswelten verlassen Büro- und Geschäftsräumlichkeiten und dringen ein in das Private. Work- Livebalance wird zur Livebalance und die Ansprüche an den ausgeglichenen Umgang mit den Aktionsfeldern, die sich bis anhin einfach ich Beruf/Arbeit und Privat/Freizeit unterteilen liessen, wird anspruchsvoller.

Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung. Die herkömmliche Arbeitswelt wird sich noch viel tiefgreifender verändern und ortsunabhängiges Arbeiten wird in vielen Diensteleistungsberufen völlig normal werden. Es wird eine Arbeitswelt werden, wie sie Selbständige immer gekannt haben. Gewisse Arbeiten muss man „an der Werkbank“ machen (wenn der Computer die Werkbank ist, dann ist die Werkbank via Cloud überall), alles was Administration und Auftragsüberwachung/Kontrolle ist, geschieht grösstenteils ortsunabhängig. Das setzt eine hohes Mass an „Selbstdisziplin“ voraus. An der Fähigkeit, sich selbst zu führen, sich Ziele zu setzen und diese zu erreichen, zu modifizieren und bei Nichterreichung angemessene Alternativen zu entwickeln (zu lernen). Gefordert wird zunehmend die Fähigkeit sich selbst einzuschätzen und darauf dann „realistische“ Planungen und Durchführungen von Aufträgen zu (Unternehmensintern und von aussenstehenden Auftraggebern) abzuwickeln.

Die Zukunft verlangt selbständige MitarbeiterInnen, welche die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und sich im Alltag als zuverlässig und vertrauenswürdig erweisen. Der rasche Austausch von Informationen sorgt dafür, dass „Nieten“ schnell bekannt werden, was früher am Kaffeeautomaten und in „Raucherrunden“ verbreitet wurde, gelangt heute auf vielfältige elektronische Weise an Adressaten, die nicht anwesend sein müssen. Das bedeutet Gefahr für alle Hierarchien, die sich auf Angst gründen, Strukturen, die mit Druck arbeiten und ganz gezielt Abhängigkeit pflegen. Überall dort, wo es still wird, wenn „der Chef“ den Raum betritt, sollte mit Aufmerksamkeit reagiert werden. Es gibt nicht nur „altmodische“ Chefs, es gibt genauso oft „altmodische“ MitarbeiterInnen, für die es wichtig ist, dass sie schlecht über den Chef reden können. Offene Führungskräfte können sich an solchen Mitarbeiterinnen und Mitarbietern die Zähne ausbeissen. Kraftvolles Sprechen im positiven Sinne verlangt von allen Seiten Respekt und Offenheit. Der unbedingte Wille Vertrauen aufzubauen wird von allen Beteiligten, ob Führungsperson oder MitarbeiterIn, gefordert. Der Massstab für das Gelingen ist der Alltag. Die neuen technischen Entwicklungen bieten die Möglichkeit, die positiven Wirkungen genauso schnell zu verbreiten, wie Kritik. Tue Gutes und berichte darüber gilt zunehmend für alle Beteiligten einer Organisation, weil sich jede/r als TeilunternehmerIn im grösseren Unternehmen wahrzunehmen beginnt. marktwärts beginnt bei jeder Einzelnen / jedem Einzelnen.

*Das Cluetrain-Manifest ist einer der Grundlagentexte von marktwärts. Die im Manifest festgehaltenen Überlegungen tragen aus marktwärts-Sicht ein grosses Potential für die positive Entwicklung des Menschen als wirtschaftendes Wesen in sich. Die Überlegungen wirken oft naiv und regen gerade dadurch zum Mit- und Weiterdenken an. Die marktwärts-Gedanken zum Manifest wollen anregen, alte Muster und Vorstellungen kritisch anzuschauen und sich für mögliche Veränderungen zu öffnen.

Der Arbeit Wert, der Arbeit Lohn

Heinz Mauch am 25. April 2014 um 10:35

Es gibt einfach Menschen, die sind zu Unternehmern und Chefs geboren und es gibt Menschen, die sind als Arbeitnehmer geboren und darauf angewiesen, dass ihnen jemand sagt, was sie tun müssen und sie entlöhnt. 100 Jahre nach dem ersten Weltkrieg steckt diese vertikale Art der Welteinteilung tatsächlich noch in vielen Köpfen. Dass mittlerweile pickelbestückte Studienabrecher Milliardenunternehmen realisiert haben, rutscht nahtlos in diese Weltanschauung, die eigentlich vor 100 Jahren an die Wand gefahren wurde. An die Wand gefahren von Menschen, die als Führer geboren wurden und die ihre Geführten sprichwörtlich in den Dreck geschickt haben. (Mein Grossvater lässt grüssen  – er lag vor Verdun)

Damit es klar ist, ich bin gegen die Mindestlohninitiative. Und damit auch das klar ist, ich bin für eine angemessene Bezahlung von Mitarbeitern, die Mieten, Steuern und Versicherungen und allgemeine Lebenskosten tragen müssen, genau so, wie Arbeitgeber auch. Der Abstimmungskampf um den Mindestlohn bemüht uralte linke und rechte Positionen und teilt die Welt schön altbacken in Unternehmer und Arbeitnehmer ein. Dahinter tauchen Weltanschauungen auf, die sich vor allem über Angst definieren. Am Ende werden Arbeitnehmer zu Verlierern und Arbeitgeber selbstverständlich auch.

Ein Drittes muss auch klar sein. Es gibt ausbeuterische Unternehmer und es gibt unproduktive Angestellte. Das ist jedoch nicht von Natur aus so, das alles ist die Folge eines Weltbildes, das einteilt, festlegt und definiert. So wie die Diskussion plakatmässig läuft, wird wieder einmal eine Chance vertan, gemeinsam aktiv zu werden und darüber nachzudenken, wie ArbeitnehmerInnen vertieft in unternehmerische Umsetzungen eingebunden werden können. Wer Leute beschäftigt, die mit Berufsmatura und Fachhochschulabschluss oder mit gezielten Weiterbildungen an Hochschulen an ihrer Kompetenz arbeiten, hat es mit einem anderen Kaliber von „Arbeiter“ zu tun, als das was vor 100 Jahren noch gang und gäbe war. Der „Arbeiter“ in der Schweiz ist nicht mehr, was er einmal war und der Unternehmer in der Schweiz sollte auch nicht mehr sein, was er einmal war. Als unternehmerisch ausgerichtete Zeitgenossen -egal ob Selbständiger, Unternehmer, Arbeitgeber oder Angestellte/r – muss es HEUTE darum gehen, gemeinsame Lösungen zu verwirklichen und damit die Schweiz zu einem Leader zu machen, wenn es um Arbeit und Produktivität geht. Arbeit muss sich immer lohnen, egal ob als Mutter, Vater, Partner, Sohn, Tochter, FachspezialistIn oder UnternehmerIn. Wir brauchen Lösungen, die weit über Stechuhrenlogiken und Umsatzgebolze hinaus gehen. Wir brauchen nicht immer mehr Lohn, weil immer alles teuerer wird und wir irgendwie ein „Recht“ auf „immer mehr “ haben.

Wenn in wenigen Jahren ein Spengler oder ein Dachdecker 300 Franken in der Stunde kostet, weil es kaum mehr welche gibt, dann ist da etwas passiert, das mit Weltanschuungen aus dem letzten Jahrhundert ganz einfach nicht mehr zu lösen ist. Eine liberale Ausrichtung im 21. Jahrundert muss sich nicht neu erfinden, sie muss sich jedoch daran erinnern, dass Wirtschaft ein Geschehen ist, das weit über Profitoptimierung hinaus ein schöpferisches Leben ermöglichen will und Wertschöpfung am Ende das Produkt einer Zusammenarbeit ist, wo der Lohn nur ein Bestandteil der Wertschätzung darstellt und der Preis letztlich -bei aller kaufmännischen Professionalität- eine Vertrauenssache ist. Das Vertrauen in die Wirtschaft ist arg angeschlagen, weil es „die von der Wirtschaft (Bosse, Manager, Abzocker, Ausbeuter)“ gibt und „die Anderen“ (Abhängige, Lohnempfänger, Angestellte)“ und weil es eine gesellschaftliche „Ahnung“ davon gibt, dass es „eigentlich“ gar nicht so ist.

Genau wie die Masseneinwanderungsinitiative ein zentrales gesellschaftliches Thema traf (grenzenloses Wachstum), trifft die Mindestlohninitiative ebenfalls ein zentrales Thema (Arbeit im 21. Jahrhundert). Die Ablehnung bedeutet nicht, dass es einfach so weiter geht, wie bis anhin. Wenn das geschieht, dann „fährt das Land an die Wand“ (Gewerbezeitung 25. April 2014) und verpasst die Chance, sich auf anstehende Veränderungen adäquat einzustellen. Gefordert ist nicht nur die Wirtschaft, gefordert ist auch die liberale Politik, die sich mit einer vorwärtsgewandten Denkhaltung und Praxis auf veränderte gesellschaftliche Gegebenheiten einstellt und nicht mehr Karl Marx zitieren muss, um zu zeigen, dass es bei ihm schon Löcher in der Theorie gab.