Querdenker und Querulanten

Querdenken ist hip. Nun soll auch an der diesjährigen Suisse Emex dieser Bereich seinen angemessenen Platz erhalten. Mit Karem Albash zeichnet ein profilierter Querdenker für das Emex-Angebot mitverantwortlich.  Im Bericht taucht das Wort „Querulant“ auf. Im Unterschied zum Querdenker ist der Querulant einer, der sich „aus Prinzip ohne höhere Absicht“ quer stellt. „Das braucht weder besondere Fähigkeiten noch ist es geistreich“, meint Albash im Bericht. marktwärts fordert geistreiche Querulanten! (Quelle Marketing & Kommunikation 5/15, S. 58)

Die Etikettenvergabe von „Querdenker“ und „Querulant“ ist so eine Sache. Während ich mich selber als Querdenker bezeichne, finden andere, ich sei ein Querulant und wolle mich einfach aus Prinzip quer stellen.

Immer noch geht es um eine „ideale Welt“. Eine Welt, die möglichst reibungslos funktioniert und die den Menschen möglichst alle Möglichkeiten bietet, sich zu entfalten. War das früher mal der transzendente „Himmel“, so ist es heute die Zeit nach der Pensionierung oder die gelungene Karriere. Einfach die „Orte“, wo man hin will und wo das „gute Leben“ stattfindet. Als Querdenker stelle ich diese Entwürfe in dem Moment in Frage, wo sie „für Alle“ gelten sollen. Man muss die Menschen zu ihrem Glück zwingen. Früher gab es Zwangsbekehrungen und wer nicht wollte, den wollte man auch nicht mehr. Heute laufen wieder ähnliche Programme und das scheint mir kein Zufall zu sein. Eine Welt, die so umfassend den Menschen als nützlich und wertvoll (und damit richtig oder falsch) definiert, so lange er arbeitsmässig (ökonomisch) funktioniert, muss sich nicht wundern, wenn als Gegenentwurf ein ebenso rigoroses System blutig vor Augen führt, wie man mit Querdenkern und Querulanten umgeht.

Es ist ein Spiegel, der reflektiert. Das Falsche im Spiegel reflektiert das Falsche vor dem Spiegel. Die Zerstörung des Spiegels löst gar nichts. Querulanten sind mühsam, ärgerlich und nicht konstruktiv. Querdenker sind optimierte Querulanten. Sie verbessern die Produktivität und damit eine Welt, welche die zeitgemässe Art der Produktivität unterstützt. Wo sind die Querdenker, die fragen, wie man seinen Umsatz und sein Wachstum wirkungsvoll verringern kann. Wie man Leute beschäftigt, die vom Profil her nicht passen. Wo sind die Querdenker, die bereit sind, noch von den Querulanten zu lernen? Ist einer, der sagt, dass er einen Tag in der Woche sein Smartphone nicht einschaltet ein Querdenker? Ein Querulant? Oder einfach ein Trottel, weil er genau an diesem Tag den entscheidenden Input verpassen könnte?

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